„Lebende Menschen auf der Bühne sind spannender als Kino!“

Wechselt für "Keinohrhasen" die Seiten: Schauspieler Michael Ophelders (hier als Professor Higgins in "My Fair Lady") führt auch gerne Regie. (Foto: Marco Piecuch / Theater Trier.)

Wechselt für "Keinohrhasen" die Seiten: Schauspieler Michael Ophelders (hier als Professor Higgins in "My Fair Lady") führt auch gerne Regie. (Foto: Theater Trier.)

Am Samstag feiert „Keinohrhasen“ am Theater Trier Premiere. Regisseur Michael Ophelders spricht über das Stück, die Schauspieler und den Unterschied zwischen Kino und Theater.

Herr Ophelders, verraten Sie den wenigen, die den Film noch nicht kennen, worum es bei „Keinohrhasen“ geht?

Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen einem Paparazzo und einer Kindergärtnerin. Der Paparazzo ist ein Frauenheld, der keine Dame auslässt, sie ist eine Art Öko-Frau, die ein braveres Leben führt. Die beiden kennen sich von früher, er hat sie im Kindesalter immer gehänselt. Und jetzt hat der Paparazzo aber einen Auftrag sozusagen zu kriminell ausgeführt und wird dazu verdonnert, Sozialstunden in genau dem Kindergarten zu leisten, den seine alte Bekannte leitet. Die beiden treffen also aufeinander, kommen aus völlig verschiedenen Lagern und, wie das im Theater oder im Film immer so ist, sie verlieben sich ineinander. Und dann wird es möglicherweise ein Happy End geben – ich will ja nicht alles verraten.

Während der Geschichte treffen die beiden auf ganz viele verschiedene Charaktere, Leute die interviewt werden müssen, wie Jürgen Vogel, Wladimir Klitschko, ein Volksmusikerpaar. Oder auch sein bester Kumpel, ihre beste Freundin, seine Schwester, alle möglichen Leute. Daraus ergeben sich viele lustige Begegnungen, und dazwischen entwickelt sich eine romantische Liebesgeschichte. Das war’s in aller Kürze.

Man kennt Sie in Trier hauptsächlich als Schauspieler – wie ist es denn für Sie, mal Regie zu führen?

Das ist eine wundervolle Erfahrung. Ich mache das ja nicht zum ersten Mal, ich habe hier in Trier das Weihnachtsmärchen „Der Lebkuchenmann“ inszeniert und in Tecklenburg für ein großes Sommertheater auch zweimal ein Märchen auf die Bühne gebracht. Für einen Schauspieler ist es eine Erfahrung, die jeder einmal machen sollte. Es ist spannend, den Arbeitsprozess von der anderen Seite zu kennenlernen, die Aufgaben und Probleme, die sich vor der Bühne stellen und nicht auf der Bühne, wo sie uns normalerweise begegnen. Ich finde auch, jeder Regisseur sollte mal auf der Bühne gestanden haben, um die andere Seite zu sehen. Ich bin also sehr froh, dass ich hier die Möglichkeit habe, mich auszuprobieren und auch ein bisschen weiter zu entwickeln.

Hätten Sie lieber selbst mitgespielt?

Am Anfang war nun mal der Auftrag, die Regie zu führen. Aber als wir eingestiegen sind, gerade in die komödiantischen Szenen, da war es schon sehr lustig, da hätte ich mir schon vorstellen können, mitzumachen. Aber jetzt ist die Arbeit so weit vorangeschritten, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich so gut wäre – die Kollegen machen das hervorragend.

Dieses Interview erscheint auch auf www.news352.lu

„Keinohrhasen“ ist einer der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt, nicht zuletzt wegen der Starbesetzung. Wie gehen Sie und Ihr Ensemble damit um, einen absoluten Kassenschlager auf die Bühne zu bringen, also zu wissen, dass das Publikum enormes Vorwissen mitbringt und Ihr Stück mit dem Kinofilm vergleichen wird?

Da hoffe ich mal auf die Neugierde des Publikums – darauf, dass die Leute den Vergleich mit dem Film eben nicht unbedingt ziehen werden. Wenn ich genau drüber nachdenke, finde ich den Vergleich aber sogar gut: Wir spielen einen Film nach, der ein Kassenschlager war und den viele Leute kennen. Wir haben also die Möglichkeit, die Leute zum Vergleichen aufzufordern. Ich würde sonst nie Kino mit dem Theater vergleichen wollen, aber hier bietet es sich an. Ich finde, die Kollegen spielen das sehr, sehr gut, es ist ein ganz anderer Ansatz als im Film, wir haben halt keinen Vogel, keinen Klitschko, keine Catterfeld. Die werden bei uns von Schauspielern dargestellt.

Und wenn man den Film kennt, ist es witzig zu sehen, wie die Schauspieler, die man in Trier ja auch kennt, diese Leute nachspielen. Die behaupten ja nicht „Ich bin das jetzt“, sondern sie behaupten „Ich bin Tim Stöneberg, der den Til Schweiger spielt.“ Es ist also eher ein Argument für das Theater, weil man genau sieht, wie spannend ein dreidimensionaler Abend sein kann, wenn lebende Menschen auf der Bühne stehen und diese Handlung, die man schon kennt, live für einen produzieren. Ich habe mich in den letzten sechs Wochen bei den Proben jedenfalls köstlich amüsiert.

Wie fallen denn Ihre Vergleiche so aus? Wie schlägt sich ein Stöneberg gegen einen Schweiger, eine Wolff gegen eine Tschirner?

Alte Bekannte und neue Gesichter am Theater Trier. Von links: Tim Olrik Stöneberg, der Keinohrhase, Alina Wolff. (Foto: Marco Piechuch / Theater Trier.)

Alte Bekannte und neue Gesichter am Theater Trier. Von links: Tim Olrik Stöneberg, der Keinohrhase, Alina Wolff. (Foto: Marco Piecuch.)

Ich vergleiche die gar nicht – die Zuschauer dürfen das natürlich gerne. Das sind ja zwei verschiedene Personen, Til Schweiger ist in Hollywood, Tim ist in Trier. Und er ist hier ein bekannter Schauspieler, der seine Arbeit wirklich sehr gut macht. Auch Alina ist eine sehr gute, junge Schauspielerin mit komödiantischem Talent. Unsere Schauspieler haben ja auch eine ganz andere Aufgabe, die müssen live zwei Stunden diesen Abend durchstehen. Das ist schon anstrengend, Komödie sowieso, weil es da viel um Timing geht, um Konzentration. Die Qualität ist da also schwer zu vergleichen; Til Schweiger und Nora Tschirner haben ihren Job gut gemacht, Tim und Alina ihren auch.

Mal provokant gefragt: Ist „Keinohrhasen“ einer dieser gemeinen Tricks, unschuldige Jugendliche ins altbackene Theater zu locken?

Ich würde es nicht als Trick bezeichnen – aber grundsätzlich ist es ja so. Vielleicht ist es eher eine Motivation, jüngere Leute ins Theater zu bewegen, ihre vielleicht vorhandene Schwellenangst zu überwinden, im Sinne von „Theater ist langweilig, die Klassiker waren in der Schule schon langweilig, jetzt müssen wir auch noch ins langweilige Theater gehen, wo man noch nicht mal Pommes in der Hand halten kann.“ Wenn wir das überwinden können, wenn die jungen Leute neugierig genug sind, sich den bekannten Plot mit Trierer Schauspielern anzusehen, die man auch hier in der Bäckerei oder in der Kneipe treffen kann – dann soll’s mir sehr recht sein. Aber ein Trick ist es nicht. Natürlich hilft uns die Bekanntheit des Films, aber das ist ja auch berechtigt. Ich finde, dass junge Leute generell mehr ins Theater gehen sollten. Wenn das über solche Stücke wie die „Rocky Horror Show“ oder „Keinohrhasen“ funktioniert, ist das doch gut.

Stichwort Zielgruppe: In den letzten Wochen hat sich die Diskussion um die finanzielle Situation des Theaters Trier etwas beruhigt. Wie ist denn momentan die Stimmung im Haus?

Auch im Haus ist das Ganze ein wenig abgeebbt, weil der Kulturdezernent beruhigende Worte gefunden hat, außerdem hat das Land, ebenfalls beruhigend, nochmal finanzielle Unterstützung ermöglicht. Aber das Thema ist natürlich nicht vom Tisch, im Januar kommt eine externe Firma, die die Effizienz des Theaters untersuchen wird, die auslotet, wo Sparmaßnahmen möglich wären, unter künstlerischen und wirtschaftlichen Aspekten. Das wird natürlich hauptsächlich im Hintergrund geschehen und wir müssen das Ergebnis abwarten.

Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg am Samstag abend!

„Keinohrhasen“ – Premiere
mit Tim Olrik Stöneberg und Alina Wolff
Regie: Michael Ophelders
Theater Trier, Samstag, 7. Januar, 19:30 Uhr.

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Eingeordnet unter Kunst, Media, Trier, Zwischenmenschlich

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