Trierer Teamplay nicht genug gegen Ulmer Zwei-Mann-Show

Kein Kraut gewachsen: Dru Joyce kam auch mit hervorragender Leistung nicht gegen Ulm und die Schiedsrichter an. Archivfoto: Thewalt.

Kein Kraut gewachsen: Dru Joyce kam auch mit hervorragender Leistung nicht gegen Ulm und die Schiedsrichter an. Archivfoto: Thewalt.

Die TBB Trier verliert ihr Heimspiel gegen ratiopharm Ulm mit 74:80. Spielentscheidend: die Ulmer Übermacht unter den Körben in Gestalt von Centerhüne John Bryant. Nicht spielentscheidend, aber unschön: die Schiedsrichterleistung in der Schlussphase.

Es würde eine harte Nuss für die TBB Trier werden, das war allen Beteiligten klar: der heutige Gegner ratiopharm Ulm hat einen starken Saisonstart hingelegt (zwei Siege aus drei Spielen) und wirkt insgesamt unter dem neuen Coach Thorsten Leibenath schon recht stabil. Zudem haben die Gäste aus der Münsterstadt einen der effizientesten und gleichzeitig interessantesten Spieler der Beko BBL in ihren Reihen: John Bryant ist 211 cm groß und wiegt gefühlt ebensoviele Kilos, ein Berg von einem Mann, der die Zone dominiert – und zudem auch noch einen sehr gefährlichen Mitteldistanzwurf hat. Viel Arbeit für Maik Zirbes, der in den ersten Spielen der TBB bereits mit sehr ordentlichen Leistungen auf sich aufmerksam machen konnte, sofern Trier in der Lage war das Spiel auch auf ihn auszurichten.

An der Unterstützung durch die Fans sollte es nicht liegen, 3096 waren in die Arena gekommen, um die TBB nach vorne zu pushen. Der Fanblock nutzte kurz vor Spielbeginn noch die Gelegenheit  zu einem deutlichen Statement in Richtung TBB-Management: Ein Transparent auf dem zu lesen stand „Tradition verpflichtet, Grün & weiß ein Leben lang!“ – die Entscheidung, das neue Auswärtstrikot in blau zu gestalten, war nicht nur auf Gegenliebe gestoßen.

Nach dem Tip Off schien sich die sportliche Ausgangssituation zunächst zu bestätigen: Ulm ging über John Bryant und Dane Watts (nach Assist von Bryant) schnell mit 0:4 in Führung, konnte mit einem Dreier vom starken Shooting Guard Isaiah Swann auf 2:7 erhöhen. Trier schien zunächst keine Antwort auf ein gut organisiertes Ulmer Offensivspiel zu haben – das einzige was in dieser Anfangsphase zu fruchten schien war der starke Zug zum Korb von TBB-Point Guard Dru Joyce (Archivfoto: Thewalt.), der gegen seinen Ex-Club offensichtlich zeigen wollte, was er kann.

Das mit Spannung erwartete Duell Maik Zirbes gegen John Bryant ging von Anfang an erwartungsgemäß klar an den Hünen aus Ulm: Der Trierer Youngster zeigte sich zunächst nervös, verlegte einfache Chancen. Dru Joyce tat das einzig richtige, er versuchte trotzdem geduldig Zirbes ins Spiel und den Ball zu ihm ans Brett zu bringen. Dabei sprangen immerhin vier verwandelte Freiwürfe zum 8:13 heraus, trotzdem musste Zirbes schon bald das Feld für seinen jungen Kollegen Andi Seiferth räumen, der allerdings gegen den mächtigen Ulmer Backcourt Watts/Bryant auch wenig Land sah.

Trier kämpft sich trotzdem mit viel Herz und einem starken Dru Joyce in die Partie zurück, Kapitän Dragan Dojcin verwandelt nach Ablauf der Spieluhr im ersten Viertel noch einen Freiwurf zum 19:18 – eine hauchdünne Führung, die dem Spielverlauf Rechnung trug.

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Das zweite Viertel sah eine andere Trierer Mannschaft, und das lag nicht zuletzt an Shooting Guard Oskar Faßler. Er hat schon oft bewiesen, dass er Energie von der Bank bringt, und er lieferte genau diese Energie auch heute wieder: sechs Punkte in Folge von Faßler, dazu noch zwei von John Bynum bedeuten einen 8:0-Lauf der Hausherren – Trier schien die etwas verdutzten Gäste zu überrennen. Erst beim Stand von 29:23 für Trier kann Ulm sich fangen und eine gute Mixtur aus „in and out“ aufziehen. „In“ heißt dabei natürlich: Der übermächtige Bryant vollstreckte am Brett, für „out“ war sein pfeilschneller Kollege Isaiah Swann zuständig. Dass das auch andersrum funktionierte zeigten die beiden beim 31:38, als Bryant vom oberen Ende der Zone perfekt auf Swann ablegte. Zur Halbzeit steht’s 31:40 – für die TBB wäre hier im zweiten Viertel mehr drin gewesen. Henrik Rödl hatte in der Trierer Stärkephase die beiden Youngster Joshiko Saibou und Andi Seiferth lange auf dem Feld gelassen – das hatte sich gerächt, der Vorsprung war weg.

Den Einstieg in die zweite Hälfte fand die TBB wieder über ein ähnliches Rezept wie zu Beginn der Partie: Dru Joyce trägt die Mannschaft offensiv ins dritte Viertel, ein Dreier mit der Hupe zum 34:42 weckt die Halle auf. In der Defensive stimmte jetzt auch die Intensität, dennoch konnte die Ulmer Zwei-Mann-Show Bryant und Swann schalten und walten, wie es ihr in den Sinn kam. Doch Trier steckte nicht auf, suchte jetzt sein Heil vornehmlich von außen, Dragan Dojcin bestätigte seine Tendenz aus den letzten Spielen, ein heißes Händchen von der Dreierlinie zu haben, er traf zwei ganz wichtige Dreier in Folge zum 42:49. Maik Zirbes konnte das erste und einzige Ausrufezeichen setzen, als er ein Alley-Oop-Anspiel krachend verwandelte – 44:51. Auf Trierer Seite spielte das Team der TBB, für Ulm spielten Bryant und Swann. Und dann schlug die Stunde der ehemaligen Ulmer: E.J. Gallup und Dru Joyce trafen zusammen drei Dreier in Folge. Als Dojcin mit der Sirene noch einen dazu packte, die Partie mit 56:54 in die letzte Viertelpause ging, stand die Halle kopf. Doch es musste sehr viel richtig laufen, damit die Hausherren die Früchte ihrer Arbeit würden einfahren können.

Um es vorweg zu nehmen: das passierte nicht. Trier konnte zwar weiterhin an Ulm dran bleiben und traf auch über weite Strecken des letzten Viertels die richtigen Entscheidungen: Nate Linhart kann per Dreier den Vorsprung auf 61:56 ausbauen, doch Ulm kam immer zurück – und hatte dabei Unterstützung von drei Herren in Gelb. Beim Stand von 61:63 musste Henrik Rödl die fällige Auszeit nehmen. Vorangegangen war dem das vierte Foul von Nate Linhart mit anschließendem Technischem Foul, angeblich wegen Meckerns – ein zweifelhafter Pfiff und leider nicht der letzte, den sich das Schiedsrichter-Gespann Neubecker/Hack/Arik bis zum Ende des Spiels leistet. Joyce kann Trier noch einmal zur 68:67-Führung schießen, doch Ulm steht einfach zu gut. Die Situation ist für Trier eng, aber nicht aussichtslos, die Hoffnung bleibt auch erhalten, als Tamer Arik ein technisches Foul gegen die Trierer Bank pfeift: es steht 71:76 nach den fälligen Freiwürfen, noch 27 Sekunden sind auf der Uhr. Trier versucht die Uhr zu stoppen und gleichzeitig schnell zu punkten, aber das ist nicht so einfach – EJ Gallup wird in den letzten Sekunden klar beim Dreier gefoult und bekommt keinen Pfiff, Oskar Faßler bekommt noch ein fragwürdiges Offensivfoul, anstatt an die Freiwurflinie zu dürfen. Insgesamt hatte die Ulmer Defensive im Vergleich zu Trier viel zu wenig abgepfiffen bekommen.

Trier kommt gegen zwei Ulmer und drei Schiedsrichter in der Schlussphase nicht mehr zu Punkten und verliert die Partie schlussendlich mit 74:80 – nach aufopferungsvollem Kampf gegen einen starken Gegner.

TBB: Joyce 28/5 Ass, Dojcin 10, Zirbes 9, Bynum 8, Gallup 6, Faßler 6, Linhart 3, Zwiener 2.
ULM: Bryant 27P / 16Reb (!!), Swann 18, Günther 9, Esterkamp 8, Nankivil 6, Watts 5, Mason-Griffin 5, Betz 2.

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Eingeordnet unter Sport, Trier

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