„Our Lord, John Cleese!“- Britischer Humor zu Ostern

John Cleese„400 years ago we would have been burnt for this film. Now, I am suggesting that we have made an advance.“ – John Cleese

Da hat die Sache mit dem Tanzverbot ja doch noch für ein paar Wellen gesorgt, und beschäftigt meinen Geist noch ein wenig weiter. Und das nicht nur wegen meines vielleicht um ein Winziges zu lang geratenen letzten Blogposts. Im Netz gibt es diverse Petitionen, bei 16vor.de kann man abstimmen und auf Facebook kann man schön nachlesen, wie die Kollegen vom Theater „Fletch Bizzel“ in Dortmund auf eine kurzfristige Absetzung des Stücks „Das kunstseidene Mädchen“ reagiert haben – anscheinend hat da auch ein Ordnungsamts-Hengst nur den Titel gelesen und dabei „halbseiden“ gedacht. Naja. Ich kann zu den Bizzels aus eigener Erfahrung leider nur sagen: Ironie wird nicht viel helfen, denn das ist eine Sprache, die man in deutschen Ordnungsämtern nicht wirklich fließend spricht. Was manchmal auch ganz gut ist.

Mit Ratio kommt man vielleicht ein wenig weiter – am Besten, ohne dabei den Humor zu verlieren.

Auf hunderttausend.de ist ein schöner Artikel zum Thema erschienen. Hier kommen neben meiner „Erinnerung ans Tanzverbot“ auch diverse anderen Stimmen zu Wort, darunter die lokalen Pressesprecher beider christlichen Konfessionen – deren Statements ich in ihrem ans Überhebliche grenzenden Ton leider überhaupt nicht schön finde – und der Philosoph Michael Schmidt-Salomon, dessen eleganten Umkehrschluss ich um so schöner finde, weil absolut zutreffend:

„Können wir uns vorstellen“, so seine rhetorische Frage, „dass ein Vertreter der Konfessionsfreien vor die Kameras tritt und verkündet, dass es seine ’nicht-religiösen Gefühle‘ verletzt, wenn an einem freigeistigen Feiertag Christen das ‚Ave Maria‘ singen?“

Touché, würde ich mal sagen.

Und das alles erinnerte mich doch an was. Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige Mittdreißiger, zu dessen österlichem Kulturkanon neben „Jesus Christ Superstar“ auch „Das Leben des Brian“ der unerreichten Monty Python zählt. Wie man weiß, geht es in letzterem nur am Rande um Jesus – wir sehen ihn während der Bergpredigt nur kurz selbst, während das Volk in den letzten Reihen rätselt, was er gerade gesagt haben könnte: der Messias spricht einfach zu leise.

Ansonsten geht es darum, dass ein völlig normaler Zeitgenosse Jesu namens Brian Cohen für „den“ (oder vielleicht auch nur für „einen“) Messias gehalten wird, was ihm schlussendlich zum Verhängnis wird.

Der Film wurde heftig kritisiert, weil das passierte, was immer passiert, wenn Leute glauben, in ihrem religiösen Empfinden verletzt worden zu sein: Tatsachen werden ignoriert. Es geht gar nicht um Jesus, aber Blasphemie muss es trotzdem sein, denn es geht ja irgendwie um Jesus. Oder?

Es gibt verschiedene Dokumentationen zu dem Thema: „The Secret Life of Brian“ findet sich komplett auf youtube; ein Videoausschnitt, den ich nicht ganz zuordnen konnte, heißt „Almost the Truth about Life of Brian“ – extrem aufschlussreich, vor allem die Sequenz über Graham Chapmans Alkoholproblem und seine Arbeit am Film als Therapie. Das Beste sind aber die letzten Minuten (ab 7:30), die Ausschnitte aus der berühmten Talkshow zeigen, in der John Cleese und Michael Palin das zweifelhafte Vergnügen haben, „Life of Brian“ gegen den zum Katholizismus konvertierten Journalisten Malcolm Muggeridge und Mervyn Stockwood, den Bischof von Southwark, verteidigen zu sollen.

Die herablassende, ja schulmeisterliche Art und Weise, wie zwei hervorragende Filmemacher und Drehbuchautoren hier von einer Art Born-Again-Christian und einem anglikanischen Würdenträger behandelt werden, tut schon beim Zuschauen weh – man sieht Michael Palin auch an, wieviel Spaß es ihm gemacht haben muss.

Die beiden Clips zeigen unterschiedliche Ausschnitte aus der Show mit verschiedenen Kommentaren:

Die Show sorgte wiederum für Aufsehen – aus den genannten Gründen. Und offensichtlich, weil Cleese und Palin sich gut verkauft hatten. Was aber dann folgte – und das bringt mich wieder auf Schmidt-Salomons Umkehrschluss, der überhaupt erst belegt, wie ABSURD diese ganze Diskussion ist – war die pure Brillianz, am den Tag gelegt von einem jungen Rowan Atkinson und seiner Komikertruppe „Not the Nine O’Clock News“. Besser geht Parodie nicht, viel deutlicher kann man nicht werden.

Ich danke hunderttausend.de für den Denkanstoß, werde weiter für eine Abschaffung des Tanzverbots diskutieren und wünsche dennoch frohe Osterfeiertage!

It is an ex-Parrot. It has ceased to be.

PS: Mal kurz zurück nach Trier: Ob hier wohl jemand tanzen wird? Ich habe ja schon mal meiner ganz persönlichen Meinung Ausdruck verliehen, dass die Soulfamily trotz Elmar F. am Schlagzeug nicht so groovet, wie ich mir das wünschen würde. Aber wär doch schade, oder? Extra Band gebucht und alle stehen rum?

2 Kommentare

Eingeordnet unter Alles, Kunst, Media, Politik, Trier, Videos

2 Antworten zu “„Our Lord, John Cleese!“- Britischer Humor zu Ostern

  1. Philip Busch

    „We must respect the other fellow’s religion, but only in the sense and to the extent that we respect his theory that his wife is beautiful and his children smart.“
    (H. L. Mencken, „Minority Report“)

  2. Christian Dirr

    Danke für den tollen Link zu Atkinson Parodie! Kannte ich noch nicht. Grossartig.

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