Gedicht der Woche #4: Nacht der Nächte

Ich halte ihn für einen der Größten der deutschen Gegenwartsdichtung und verlange hiermit, dass Ihr alle seinen Sammelband „Gesammelte Gedichte“ kauft. 927 Seiten feinster Text plus nochmal 136 Seiten Anhang. Die Rede ist natürlich von Robert Gernhardt, der 2006 in Frankfurt starb und wie nur wenige die deutsche Nachkriegsliteratur geprägt hat – nicht nur, weil er das Drehbuch für vier Otto-Filme schrieb.

Es war an einem Frühlingstag wie diesem, als ich vor 12 Jahren „Körper in Cafés“ aus dem Bücher-Wühltisch zog. Und darin ein Gedicht fand, dass eine Frühsommernacht beschreibt, wie sie demnächst wieder vor der Tür stehen wird. Gefällt mir heute noch.

Nacht der Nächte

Es liegt was in der Luft,
ein ganz besondrer Klang,
der vielzuviel verspricht,
jedoch er hält es auch.

Heut nacht geht etwas um,
wer darauf hört ist klug.
Wer’s überhört, riskiert,
dass er den Kopf bewahrt.

Der Kopf ist klar und kühl,
die Nacht ist voll Geräusch.
Die Luft ist weich und war,
wer kopflos ist, wird reich.
– Robert Gernhardt.

In: Gesammelte Gedichte. Frankfurt am Main, 2005.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kunst, Weekly Poem

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s