37 Minuten für George – TBB verliert mit 61:69 gegen Frankfurt

Die Nachricht war ein Schock nach dem Auswärtsspiel in Bamberg am Freitag abend. Center George Evans verlässt die TBB mit sofortiger Wirkung, die Gründe sind rein privater Natur: der 40jährige muss dringend zu seiner Familie in die USA, die Chance, dass er vor Ablauf der regulären Saison noch einmal zurück kommen kann, gehen gehen Null. Henrik Rödl bestätigte „Wir haben uns verabschiedet.“

Außerdem hatte sich TBB-Guard John Bynum im Spiel gegen den Deutschen Meister eine Schulterverletzung zugezogen – hinter seinem Einsatz am Sonntag gegen den Tabellenzweiten DEUTSCHE BANK SKYLINERS stand ein dickes Fragezeichen. Entsprechend gedämpft war auch die Vorfreude auf die Partie, alles sah nach klarer Angelegenheit aus. George Evans wurde zwar bei der Teampräsentation von Hallensprecher Chris Schmidt mit aufgerufen, und das nicht nur aus alter Gewohnheit, sondern mit voller Absicht – das allein würde die Lücke, die der zuletzt hervorragend aufspielende Center auf dem Parkett hinterlässt aber auch nicht stopfen können.

Doch zunächst lief auf Trierer Seite alles anders, nämlich: rund. Von Verletzungs- bzw. Personalsorgen war zumindest im ersten Viertel bei der TBB nichts bis wenig zu spüren: Samy Picard war für den an der Schulter verletzten John Bynum in die Startformation aufgerückt und machte seine Sache gut, Bynum selbst spielte immerhin eine Halbzeit lang, bis die Schmerzen zu groß wurden.

Henrik Rödls Männer agierten mit dem nötigen Biss gegen eine wie erwartet harte Frankfurter Defense. Dru Joyce bringt Trier nach einem Steal in der eigenen Hälfte mit 6:3 in Führung, Frankfurt kann zwar dagegenhalten, wirkt aber verunsichert. Vor allem MVP-Kandidat DaShaun Wood produziert im ersten Viertel insgesamt nicht viel zählbares, diskutiert dafür von Anfang an mit den Unparteiischen. Dragan Dojcin sorgt per schönem Mitteldistanzwurf für den 15:15-Ausgleich und holt unmittelbar danach zwei wichtige Offensivrebounds, die die TBB Trier in Ballbesitz halten. Zwei Dreier von Oskar Faßler und Dru Joyce bauen die Trierer Führung aus, zur ersten Viertelpause steht es 26:21 gegen ein Frankfurter Team, das irgendwie noch nicht richtig wach ist.

Davon zeugen gleich zu Beginn des zweiten Viertels zwei völlig unnötige Ballverluste der Gäste – die TBB bedankt sich für zwei Ausbälle und macht daraus vier Punkte durch Bynum und Clay. Gordon Herbert, unter normalen Umständen schon kein Strahlemann Mike Taylor’scher Prägung, fordert mit sauertöpfischer Miene die erste Auszeit beim Stand von 30:21. Die wirkt zunächst, Frankfurt kommt mit einer Ganzfeldpresse zurück, und legt einen 8:0-Lauf aufs Parkett, DaShaun Wood kommt mit blitzschnellem Antritt zum 30:29 durch. Trier behält die Nerven, der präsente Dragan Dojcin steckt in der dicht besetzten Frankfurter Zone auf Maik Zirbes durch, der zum 32:29 einlegt, Samy Picard sorgt per Fastbreak für die nächste Frankfurter Auszeit. Die TBB liefert insgesamt gute Trefferquoten (62 % aus dem Feld zur Halbzeit, 4/9 Dreier), dazu ist die Defense sauber auf DaShaun Wood abgestimmt, der gegen den „letzten Mann“ Maik Zirbes nur selten zu einfachen Punkten kommt. Kurz vor der Pause erhöhen Dru Joyce mit einem schönen Dreipunktspiel und Barry Stewart per weitem Dreier auf 43:33. Eine zweistellige Führung gegen die Deutsche Bank Skyliners – wenige Buchmacher hätte da mitgespielt. Weil Wood aber doch noch einmal seine Klasse aufblitzen lässt und per sehenswertem Kick Out Pass Dominik Bahiense de Mello an der Dreierlinie bedient, geht es mit einer 43:36-Führung in die Kabine – starke Leistung, ohne Zwiener, ohne Evans, dafür mit ganz viel Herz.

Das dritte Viertel wirkte dann beidseits zerfahren, Frankfurt zeigte die besseren Ansätze, Trer hatte Mühe den Deckel drauf zu behalten. Quantez Robertson markiert hart an seinem Verteidiger Maik Zirbes das 46:45, Henrik Rödl nimmt die Auszeit, um die Führung zu sichern. Das klappt knapp: Dank einem immens wichtigen Dreier von Dragan Dojcin und einem Buzzerbeater mit Brett von Barry Stewart kann die TBB das Spiel mit 57:52 in die Viertelpause retten. Allerdings war klar, dass Frankfurt im letzten Viertel die Karten auf der Hand haben würde – zu offensichtlich zeigte sich jetzt, dass mit George Evans am Brett einfach eine wichtige Option fehlte.

Der mittlerweile deutlich erstarkte DaShaun Wood führte das Frankfurter Spiel im vierten Viertel kompromisslos an ebendieses offensive Brett, kam entweder mit Bonusfreiwurf selbst durch (59:57) oder beidente Kollegen. Sechs Minuten vor Schluss kann Wood von der Freiwurflinie mit 59:59 ausgleichen, drei Minuten vor Ende steht es 61:61 – zuvor hatte Dru Joyce zwei Anspiele auf die großen Trierer nicht untergebracht und war einmal auf die Ausline getreten. Die Kraft war weg, die Konzentration auch. Die letzten 180 Sekunden gehören komplett den Skyliners, Jimmy McKinney trifft nach Assist von Wood den Neckbreaker zum 61:64, der Rest ist Formsache. Die TBB verliert nach 37 Minuten aufopferungsvollem Kampf (Henrik Rödl nannte es „unser bestes Saisonspiel“) mit 61:69 und rutscht zwischenzeitlich auf Platz zehn, Frankfurt bleibt Zweiter.

Gordon Herbert, Headcoach DEUTSCHE BANK SKYLINERS: „Ich möchte Trier zunächst großen Respekt aussprechen – sie haben 35 Minuten lang das Spiel kontrolliert, das Tempo diktiert und uns alles abverlangt. Für meine Begriffe war das die beste Art, wie man spielen kann, und ich freue mich sehr, dass ein guter Freund von mir solch ein Team auf die Beine gebracht hat. Henrik hat hier Großes geleistet, und ich hoffe, das Team erhält hier in Trier die Anerkennung, die es verdient. Wir mussten, auch ohne Evans, hart für den Sieg kämpfen. Ich war nicht sehr zufrieden mit unserer Defense und unserer Einstellung in der ersten Hälfte, in der zweiten Halbzeit hat sicch das dann extrem verbessert.“

Henrik Rödl, Headcoach TBB Trier: „Wir haben heute über 35 Minuten unser bestes Saisonspiel gemacht. Die letzten fünf Minuten haben wir dem hohen Tempo und der unglaublichen Verteidigung von Frankfurt Tribut zollen müssen. Gordies Mannschaft ist für mich die beste Verteidung der Liga, extrem beweglich, extrem schnell. Es gab keine freien Würfe mehr für uns im letzten Viertel. Das hat am Ende das Spiel entschieden. Großes Lob an meine Mannschaft für diesen großen Kampf, den sie heute gezeigt hat. Ich kann nur nochmal betonen, wieviel Spaß es mir macht, mit diesem Team zu arbeiten. Für uns kommt jetzt das große Wochenende, wir werden weiter kämpfen und daran Spaß haben.“

Spielstatistik der Beko BBL

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